Petersplatz Rom
Rom

Isolation – Unsere Zeit im Lockdown in Italien

Stillstand im lauten und lebensfrohen Italien während des Lockdowns. Unsere Zeit in der Isolation.

Die Wochen vergingen. Ehe wir uns versahen, wurden aus den Wochen Monate. Mittlerweile sind fast zwei Monate ins Land gegangen. Zwei Monate, in denen wir uns mitten im absoluten Lockdown befinden. Es grenzt nahezu an ein Wunder, wenn man überlegt, wie gut wir diese lange Zeit verbracht haben. Bedenkt man, das unser Reich ein 14qm großes Zimmer und ein kleiner Flecken Grünfläche hinter unserem Gebäude ist.

 

Blogartikel zu Zeiten der Isolation?

Irgendwie schien es uns anfangs sinnlos, in dieser Zeit der Isolation einen Beitrag für unseren Italien-Blog zu schreiben. Da unsere Wege doch nicht viel weiter als zum 200-Meter entfernten Supermarkt führten. Aber dann habe ich mich wieder an etwas erinnert. Wie gut kann man doch zu Krisenzeiten den wahren Charakter eines Landes und seiner Landsleute kennen lernen. Ich dachte an unsere Zeit in Chile zurück. Damals wurde es von einem der stärksten Erdbeben überhaupt erschüttert. Damals erlebten wir, wie sehr der Zusammenhalt einer Nation unter solchen Extrem-Zuständen zum Vorschein kommt.

Weisses Fahrrad
Dar Garten, unser „Spielplatz“ für diese Zeit.

„Also gut“, dachte ich mir. Obwohl dieser Virus mittlerweile eindeutig zu einer weltweiten Angelegenheit geworden ist, steht Italien doch von Beginn an deutlich im Zentrum dieser Pandemie. Während wir uns persönlich glücklich schätzen, dass wir uns bester Gesundheit erfreuen, und unsere größte Einschränkung ein aktueller Reise-Stopp ist, gehört diese Erfahrung doch ganz klar zu unserem Italien-Aufenthalt. Wie immer, möchte ich mich in dieser Schilderung hier nur auf unsere ganz persönliche Wahrnehmung beschränken. Über die Entscheidungen der Politik möchten wir nicht urteilen. Auch über die wirtschaftlichen Implikationen für das Land möchten wir uns nicht auslassen.

 

Zeit für unsere Pläne und zum Aufbauen neuer Routinen

Wie schon in unserem letzten Blogbeitrag erwähnt, haben wir versucht, die Zeit der Isolation so gut wie irgend möglich für uns zu nutzen. Zum ersten Mal waren wir quasi gezwungen, uns mit nichts als uns selbst zu beschäftigen. Und nach den ersten Tagen „faulenzen“, entschieden wir uns, das Bestmögliche aus unserer Zeit der Ausgangssperre zu machen. Wir wollten nicht mehr einfach nur in den Tag hinein leben. Stattdessen, stellten wir uns wieder den Wecker. Bereits am Vorabend überlegten wir, wie wir die Stunden des Folgetages für uns nutzen wollten. Endlich nahmen wir uns die Zeit, über Ideen zu sprechen. Ideen, die schon lange in uns fruchteten.

Auch machten wir uns Gedanken darüber, wie es nach Italien für uns weitergehen sollte. Abwechslung fanden wir in unseren täglichen Sporteinheiten im Freien, die wir wieder zur Gewohnheit machten. Neben Yoga oder HIT-Einheiten (hochintensives Intervalltraining), für die uns eine kleine Fläche genügte, verspürten wir aber auch den Drang Laufen zu gehen. Hierfür war eindeutig mehr Platz von Nöten. Also fingen wir an, den Parkplatz unseres Gebäudekomplexes als Lauffläche zu nutzen. Hier drehten wir fortan unsere Runden. Und, um mindestens 30 Minuten Lauftraining zu absolvieren, bedarf es so einige…;)

Yoga Entspannung
Yoga draußen im sattgrünen Garten. Den Teil der Entspannung findet Andre am besten.
Meditation im Garten
Ein Versuch der Meditation, aber irgendjemand stört, dem Blick nach zu urteilen.

Nicht lang, und die zwei blonden Deutschen waren bei allen Nachbarn bekannt. Schließlich wurde täglich Sport getrieben und es war uns nicht zu blöd, 30 Minuten im Kreis zu joggen.

 

Gärtner und Concierge – Schlüsselpersonen während der Isolation

Nachdem sich jedoch eine Nachbarin von uns gestört fühlte (vielleicht war sie auch nur besorgt), wurden wir gebeten, fortan auf die kleine Parkanlage auszuweichen. Diese gehörte zum Gebäude und war bislang verschlossen. Mit dem Gärtner Claudio handelten wir also aus, dass er uns täglich Einlass in den Park gewähren würde. Dort konnten wir dann in Ruhe unsere Runden drehen. Aber so ein Stück Grünfläche mit Tennisplatz und Spielgeräten ist natürlich zu Zeiten eines landesweiten Lockdowns und Isolation ein beliebter Ort. Besonders, da auch bald alle öffentlichen Parks und Grünflächen geschlossen wurden. Also, der einzige Ort um den eigenen vier Wänden für ein paar Minuten entfliehen zu können.

Es dauerte nicht lange und Eltern mit Kindern oder andere sportbegeisterte Nachbarn entdeckten dieses kleine Stückchen „Freiheit im Grünen“ wieder für sich. Und obwohl man sich auch hier relativ gut aus dem Weg gehen konnte (es waren nie mehr als 6-7 Leute gleichzeitig im Park), vergingen nur wenige Tage, bis sich die ersten Nachbarn beschwerten. Fortan durften nur noch zwei Personen eines Hausstands gleichzeitig für 30 Minuten in den Park. Die restliche Zeit blieb die Parkanlage geschlossen. Anhand dieses Beispiels lässt sich gut veranschaulichen, wie verunsichert und verängstigt die Leute hier zu Lande teilweise waren.

Pici Pasta
Selbstgemachte Pici, eine Pasta Spezialität aus der Toskana.
Zubereitung Pasta Sauce Ragu
Teil der Zubereitung von Andres absoluter favorisierter Pasta Sauce – Ragú.
Bananenbrot
Jil übernimmt gern das Backen, hier unglaublich leckeres Bananenbrot.
Pesto Zopf
Auch unglaublich lecker, Mozzarella – Pesto – Zopf. Bis auf den Teig alles selbst gemacht.

Und trotz der Zeit von Isolation und „social distancing“, sind wir Menschen eben nun einfach soziale Wesen. So blieb es auch nicht aus, dass wir unser Maß an sozialem Austausch in dem momentan begrenzten Umfeld zu befriedigen versuchten. Schon bald fingen die Menschen an, die man außerhalb der eigenen vier Wänden immer wieder traf, uns zu grüßen. Nicht lange, und wir wussten, wie die spielenden Kinder draußen hießen. Sogar zu welcher Zeit man auf andere Sportbegeisterte draußen traf.

Interessant ist auch zu beobachten, wie jene Menschen auf einmal eine zentrale Rolle für uns einnehmen. Deren Relevanz man vor Zeiten von Corona so nie erahnt hätte. Wer hätte geglaubt, dass der Gärtner der Herr über die Gartenpforte wird. Dass man sich mit ihm lieber gut stellt, um in den Park gelassen zu werden. Niemals hätten wir es für möglich gehalten, dass der Concierge für uns eine so wichtige Anlaufstelle wird. Er ein lang ersehntes Paket aus Deutschland als erster entgegennehmen würde.

Man lernt sich nicht nur besser kennen, sondern merkt wieder einmal mehr, wie schnell man von einander abhängt. Wie zentral in Zeiten der Krise banale Dinge für uns werden.

Paket auspacken
Das heiß ersehnte Paket.

 

Erlernen neuer Rezepte und italienische Brettspiele

Wenn wir nicht gerade an unseren kleinen Projekten „arbeiteten“ oder Sport trieben, verbrachten wir viel Zeit in der Küche. Andre hatte es zum erklärten Ziel gemacht, alle in der Toskana gelernten Rezepte nachzukochen. Einschließlich der selbst hergestellten Pasta. Für seinen Kocheifer erntete er auch bei unseren Vermietern bewundernde Blicke. Ist man es auch hier nicht gewohnt, den Mann als Gestalter und nicht nur Nutznießer in der Küche zu sehen.

Wieder einmal hatten wir Glück! Auch diese Dame des Hauses besaß für das Kochen eine Leidenschaft und führte früher ein Restaurant. Regelmäßig zauberte sie wunderbar duftende italienische, aber auch afrikanische Gerichte als kamerunische Landsfrau. Oft dauerte es nicht lange und wir kochten ihre Gerichte begeistert nach. Da sie unsere Neugier für das Ausprobieren neuer Rezepte schnell erkannte, kamen wir regelmäßig in den Genuss von Kostproben ihrer gekochten Gerichte.     

Salat mit Erdbeeren
Neben Pasta und backen…
Mediterraner Salat
…leckere mediterrane Küche.
Piadine
Leicht, gesund und…
Gebratener Spargel mit Prosciutto
…unglaublich lecker.

Nachdem die italienischen Brettspiel-Abende mit unseren Vermietern (und Mitbewohnern) zu einem regelmäßigen Ritual wurden, um uns gegenseitig Gesellschaft zu leisten und von dem nicht anhaltenden negativen Nachrichtenstrom draußen abzulenken, wurden wir auch zum traditionellen Oster-Brunch eingeladen. Über diese Einladung haben wir uns sehr gefreut. Es gab uns ein Gefühl von Feierlichkeit und ermöglichte uns, zumindest einen kleinen Ausschnitt der in Italien wichtigen Osterfeierlichkeiten kennenzulernen. Nach der Lasagne als Primo, gab es ganz traditionell Lamm als Secondo, welches von unseren selbst gebackenen Zimtschnecken als Dolce abgeschlossen wurde. Da so viel Schlemmerei auch von Aperitivo, ausreichend Wein und Digestivo begleitet werden will, waren wir nach dem mehrstündigen Mittagessen so müde, dass wir uns alle für den restlichen Tag ins Bett legten… 😀

Spielabend
Einer unserer Spieleabende.
Italienisches Brettspiel
Name des Spiels: Carriere. Er hat es schon seit seiner Kindheit.
Essen zu Ostern in Italien
Unser Oster-Brunch. Es war ein wirklich schöner Nachmittag.

 

Das Ende der Ausgangssperre

Kurz vor Ostern wurde bekannt gegeben, dass die anhaltenden Maßnahmen des Lockdowns, und somit die Zeit der Isolation, noch bis Anfang Mai wirksam bleiben würden. Und nach all den Wochen der Ausgangssperre haben wir langsam den Eindruck, die längste Durststrecke hinter uns zu lassen. Auch wenn die Zahlen der Neuinfizierten sich nur langsam stabilisieren. So hat man doch spätestens bei dem Blick in die blühenden Hügel Roms den Eindruck, dass eine Besserung der Situation nicht mehr lange auf sich warten lassen konnte. Außerdem stiegen die Temperaturen von Tag zu Tag und ein Sonnentag konkurrierte mit dem nächsten. Bei so viel Erwachen und Vogelgezwitscher, kam man einfach nicht drum herum, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Denn es stehen doch alle Zeichen in der Natur auf Erwachen und Wachstum.

Es ist bereits klar, dass die Schulen und Universitäten erst im September wieder öffnen werden. Bestimmt, wird die Zeit bis dahin die Familien auf eine Probe der Organisation stellen. Ende April wurde jedoch endlich deutlich, dass die Maßnahmen gelockert würden. Anfang Mai wird die Industrie wieder ihren Betrieb aufnehmen und Parks und öffentliche Grünflächen werden endlich wieder den Bürgern geöffnet. Zudem wird ab Mitte Mai auch der Einzelhandel wieder öffnen. Gefolgt von der Gastronomie. Allerdings, alles unter Einhaltung der bekannten Sicherheitsauflagen.

Während wir erschreckt und überrascht zugleich sind, wie gut wir uns auf die neue Situation eingestellt haben und wie schnell die Wochen vergangen sind, freuen wir uns nun natürlich vor allem darauf, hoffentlich bald unsere Italien-Rundreise fortsetzen zu können.

Zunächst aber können wir es gar nicht erwarten, in Kürze endlich wieder mal ein paar Schritte weiter gehen zu dürfen, als nur bis zum nächsten Supermarkt. Wenn es endlich nicht länger heißt „Io resto a casa“ (Ich bleibe zuhause). Sondern „zurück ins Leben“!

Erfahre mehr über unsere Reise...

Ein Jahr Italien! Da darf Rom nicht fehlen. Wie durch Corona aus einem Monat drei Monate wurden und wie eine Großstadt im Dornröschenschlaf versinkt.

Unsere Reise durch Italien. Ein Jahr der Veränderung voller Erfahrungen und Begegnungen in einem Land welches wie kein anderes für das Dolce Vita steht.

Die ewige Stadt erwacht aus seinem Dornröschen-Schlaf und das Gefühl des „dolce far niente“ kehrt zurück. Wie ist es in Rom nach dem Corona-Lockdown?

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