Italienische Antipasti
Lucca

Nach kurzer Zeit so etwas wie italienischer Alltag

Die Wochen vergehen und langsam haben wir uns in unserem neuen, vorübergehenden Zuhause zwischen den Olivenhainen etwas „eingegroovt“. Es kehrt so etwas wie ein italienischer Alltag ein. Italienisch lernen, an unserer Website basteln (und alles wieder über den Haufen schmeißen und neu starten) und leichte Arbeiten am PC auf selbstständiger Basis erledigen. Zur Abwechslung unternehmen wir ausgedehnte Spaziergänge, besuchen regelmäßig die Altstadt von Lucca oder entdecken kleinere Orte in der Umgebung.

 

Alltägliches Leben in Italien mit einem begrenzten Budget

Neu für uns, ist nicht nur unser Umfeld, sondern auch, dass wir nach Jahren mal wieder mit einem täglichen Budget leben. Unsere finanziellen Mittel sind aktuell noch recht begrenzt, daher heißt es sparsam sein. Wie wir es auch früher schon mal auf längeren Reisen gemacht haben, wird über jede Ausgabe genaustens Buch geführt.

Wenn wir einen Tag unter Budget bleiben, heißt das, dass wir am nächsten Tag mehr ausgeben und anders herum. Irgendwie hört sich das krass an, aber es macht auch Spaß. Mittlerweile haben wir ein Spiel daraus gemacht, Wege und Mittel zu finden, sparsam zu sein. Auf der anderen Seite, genießen wir es umso mehr, wenn wir uns von unserem Erspartem etwas gönnen.

 

Der italienischen Küche sind wir schnell verfallen

Eines kommt in dieser Zeit auf jeden Fall nicht zu kurz- das Ausprobieren lokaler kulinarischer Spezialitäten. Während wir unter der Woche recht sparsam leben, suchen wir uns am Wochenende immer ein Restaurant aus, welches wir gerne ausprobieren möchten. Die italienische Küche hat einfach zu viel zu bieten. Typisch für die Toskana ist die Antipasti bestehend aus Pecorino, Schinken und Salami. Darauf folgt zumeist ein deftiges Pasta-Gericht, angemacht auf Wild oder Trüffel. Für die gelegentlichen Fleischliebhaber ist das Bistecca alla Fiorentina (Steak) ein Muss. Das Schöne an allen diesen Verführungen ist, dass es durchaus üblich ist, sich Portionen zu teilen.

Italienische Vorspeisenplatte
Typische Vorspeisenplatte in der Toskana – Danke an die Trattoria da Ubaldo für einen tollen Abend.
Tagliolini mit Trüffel
Jil´s Favorit: Tagliolini al Tartufo – Danke an die Osteria Vispa Teresa in Lucca.

Noch dazu ist die Toskana ein absolutes Nirvana für alle Süßmäuler. An jeder Ecke lockt eine Pasticcerie (ähnlich einer Bäckerei/Konditorei) mit süßen Verlockungen für kleines Geld. Ein Espresso und ein kleines „Dolce“ (süße Nachspeise) sitzen auch bei kleinstem Geldbeutel drin. Noch günstiger wird es, wenn man es den Italienern nachmacht und diese Köstlichkeiten direkt im Stehen am Tresen einnimmt. Ein italienischer Alltag ohne Espresso ist keiner.

Espresso und Dolce
Cafè (Espresso) und Dolce (Süßigkeit) – am besten im Stehen!

Nicht zu vergessen in dieser Aufzählung sind die kleinen Panini „Take-Away“ Läden (unsere Empfehlung: „Pan di Strada„). Dort kann man sich mit einem leckeren Panino (Sandwich), belegt mit toskanischen Köstlichkeiten, eindecken. Neben kleineren Pizza-Läden holt man sich hier seinen Snack,  der auf der Stadtmauer in der Sonne zu sich genommen wird. Bezüglich Pizza, die aus unserer Sicht beste Pizza Luccas findet man bei „Da Felice„.

Panino mit Prosciutto Cotto und einer Trüffel Creme
Panino (Sandwich) – für uns der beste Snack (neben Pizza) – Tipp: Pan di Strada in Lucca.
Pizza der Pizzeria Da Felice
Pizza von Da Felice – eine Institution in der Altstadt von Lucca. Verständlich, denn unglaublich lecker.

Ob das gelegentliche „Dolce“ daran schuld ist, dass sich bei Andre recht schnell Zahnbeschwerden einstellen, ist fraglich. Tatsache ist jedoch, dass die Schmerzen nicht zu ignorieren sind und wir einen Zahnarzt aufsuchen müssen. Genau das wünscht man sich ja, wenn man im Ausland ist. Dank zahlreicher Bewertungsplattformen, finden wir schnell eine patente Zahnärztin. Ihr erklären wir auf gebrochenem Italienisch und mit Händen und Füßen Andres Problem. Die Dame beginnt direkt mit der Behandlung und kann zum Glück schnell den Kern des Problems erkennen. 

Auch wenn solche Erlebnisse nicht gerade wünschenswert sind, so muss man doch ehrlich sagen, dass sie die Sprachkenntnisse nach vorne bringen. Außerdem geben sie uns das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und das wir nicht für solcher Art von Weh-Wehchen Italien verlassen müssen.

 

Alltägliches aus der italienischen Arbeitswelt oder „Wie wie viele Versuche benötigt man um einen Kühlschrank aufzustellen?“

Während die Zahnarzt-Besuchsserie unkompliziert verläuft, gibt es andere Ereignisse, die komplett gegenteilig von statten gehen und uns etwas an vergangene Tage in Südamerika erinnern. Zu Modernisierungszwecken wurde für unsere Villa ein neuer Kühlschrank bestellt. Typ amerikanisches Modell mit Flügeltüren und Eismaschine inklusive. Nachdem bei der ersten Lieferung das Modell beschädigt geliefert wurde, sollte zeitnah, zwei Monate später (!) also ein neuer Kühlschrank zugestellt werden. Am Tag des besagten Liefertermins wurde der sehnlichst erwartete Kühlschrank von unserem 78-jähren Vermieter und uns in Empfang genommen. Allerdings wurde er nur genau bis an die Türkante geliefert und kein Stück weiter.

Da stand er also und genau dort blieb er stehen, der 1.80m große Koloss. Viel zu schwer und sperrig um ihn mal eben so die Stufen hoch und in die Küche zu transportieren. Natürlich war dieser Teil der Leistung nicht im Lieferauftrag enthalten. Also organisierte man zwei starke Helfer für den nächsten Morgen, um zu viert den Kühlschrank ins Haus zu bringen. Die zwei starken Helfer waren eher schmaler Statur und auch zu viert vermachte man den Kühlschrank nicht zu bewegen. Wieder wurde rumtelefoniert. Der Schwiegersohn sollte auch mit anpacken und wollte sogleich dazu kommen.

Nachdem dieser aber 1 Stunde lang nicht auftauchte und man ihn fragte, wo er bleibe, hieß es, dass er doch erst am Nachmittag kommen könnte. Also verabredete man sich, am Nachmittag erneut zu uns zu kommen, um den Kühlschrank dann endlich mit vereinten Kräften aufzustellen. Zur verabredeten Stunde erschien Schwiegersohn mit einem seiner Mitarbeiter, von den zwei Helfern vom Morgen keine Spur. Mit der gleichen Anzahl der Helfer, schaffte man jetzt, was am Morgen, nicht möglich war. Unter Ächzen und Stöhnen schub und trug man den Koloss ins Haus. Nach ca. 5 Stunden Aufwand, die 8 Leute investiert hatten, stand der Kühlschrank endlich an Ort und Stelle und alle waren happy! Scheinbar italienischer Alltag in der Arbeitswelt hierzulande. Was für eine banale und doch aufschlussreiche Erfahrung für uns.

 

Italienischer Alltag im Winter – viel Frieren und hohe Heizkosten

Nachdem es verhältnismäßig viel geregnet hatte im Dezember, zeigte sich der Januar umso versöhnlicher mit zahlreichen Sonnentagen. Die Sonne hat bereits so früh im Jahr eine solche Kraft, dass wir draußen vor unserer Haustür Mittagessen konnten – und das im Januar!

Lunch auf Terrasse in den Bergen der Toskana
Lunch bei schönstem Wetter – in Italien nicht ohne ein Gläschen Wein.
Sonnenaufgang in den Bergen der Toskana
Frühes Aufstehen wird…
Kirche im Nebel bei Sonnenaufgang
…mit strahlendem Sonnenschein belohnt.

So warm und wundervoll solche Momente sind, muss man aber auch ehrlich dazu sagen, dass wir hier so viel wie seit langem nicht mehr gefroren haben. Ein italienischer Alltag im Winter ist eher geprägt von Kälte und hohen Heizkosten. Die Häuser sind für niedrige Temperaturen einfach nicht gemacht. Stattdessen sind sie so beschaffen, dass sie in den warmen Monaten (die hier ja überwiegen), eher die Hitze fernhalten sollen.

Mit mehreren Lagen an Klamotten und vielen Kannen Tee halten wir uns im Haus warm. Als für einige Stunden der Strom ausfällt, der auch die Heizung am Laufen hält, wird es über Nacht eisig im Haus. Zum Glück haben wir aber uns und können uns nachts, eng aneinander gekuschelt und mit mehreren Lagen Decken warm halten.

Hinzu kommt, dass das Heizen (speziell hier in den Bergen) extrem kostspielig ist. Obwohl wir bereits alle Heizkörper in den unbenutzten Zimmern (und davon haben wir einige) ausgedreht haben, belaufen sich unsere Heizkosten auf 400 EUR in nur drei Wochen! Ein Grund mehr für uns, unsere nächste Destination zu planen.

 

Zeit für unserer nächstes Abenteuer

Und, obwohl wir die Zweisamkeit in unserer Villa in den Bergen Luccas sehr genießen, so ist es doch erklärtes Ziel unserer Reise, sich unter die Landsleute zu mischen und so Land und Leute kennen und Italienisch zu lernen.

Zum Glück gibt es heute bereits einige Online-Plattformen, die sich darauf spezialisieren, Leute wie uns, mit potenziellen Hosts (zu deutsch, „Gastgeber“) zusammen zu bringen. Dies können Gastgeber unterschiedlichster Arten sein, die einen bei sich aufnehmen, wenn man im Gegenzug bei verschiedenen Aufgaben unterstützt. In unserem Fall ist es eine große Familie, die in der südlichen Toskana einen Öko-Hof betreibt, Olivenöl produziert und Yoga Workshops anbietet, die in uns wenigen Tagen erwartet. Wir sind wahnsinnig gespannt und auch etwas aufgeregt, wie die erste dieser Erfahrungen sein wird. Besonders ein authentischer italienischer Alltag einer Großfamilie – das ist es, was wir erleben wollen. Eines steht auf jeden Fall fest, dort werden wir ganz viel Italienisch sprechen und seit langem auch mal wieder körperlich arbeiten dürfen. Wir freuen uns drauf!

In diesem Sinne – A presto (Bis bald)!

Erfahre mehr über unsere Reise...

Oh du wunderschönes Lucca – Heimatstadt von Puccini. Die erste Station unserer Reise durch Italien. Besser hätte es nicht starten können.

Unsere Reise durch Italien. Ein Jahr der Veränderung voller Erfahrungen und Begegnungen in einem Land welches wie kein anderes für das Dolce Vita steht.

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